Ein unvergessliches Heinkel-Abenteuer: Von Hamburg in die Alpen und bis nach Norwegen
Manche Reisen bleiben für immer im Gedächtnis – so auch diese von Klaus Sander. Was als einfache Leidenschaft für Heinkel-Roller begann, wurde zu einer Reihe unvergesslicher Erlebnisse: von spontanen Alltagsfahrten mit „Fritzchen“ über herausfordernde Alpenpässe bis hin zu einer abenteuerlichen Tour durch Süd-Norwegen.
Dieser Bericht erzählt von Freundschaften, Durchhaltevermögen und der besonderen Faszination, die diese Fahrzeuge und die gemeinsame Zeit mit ihnen ausmachen. Eine Geschichte über Schrauben, Reisen und die kleinen Herausforderungen, die jede Fahrt einzigartig machen.
Mein Heinkel und ich – Eine Geschichte aus dem Jahr 1961
Es war im Jahre des Herren 1961, als ich begann, mir Gedanken über meinen Führerschein zu machen. Schließlich würde ich im kommenden Februar 18 Jahre alt werden. Rückblickend war meine Kindheit etwas anders als heute: Mit zwölf Jahren zeigte ich meinem Vater Planierraupen auf den damaligen Trümmergrundstücken im Hamburger Hammerbrook und half ihm, diese an Käufer zu verkaufen. Doch das zählte damals noch nicht als richtiges Fahren.
Schon früh hatte ich fast alles gefahren, was sich anbot – nur eben nicht auf öffentlichen Straßen. Eines war jedoch schnell klar: Mein erstes richtiges Fahrzeug sollte ein Heinkel Roller werden. Warum? Ganz einfach: Die Roller waren in den 60er Jahren chic und voll im Trend.
Mein älterer Bruder hatte in seiner Jugend eine Zündapp Norma Luxus, doch nun waren es die Roller, die alles andere in den Schatten stellten. Der Heinkel war nicht nur komfortabel, sondern auch ein echter Hingucker. Mit der Vollkarosserie hatte man sogar einen praktischen Vorteil: Kein bauschiger Rock konnte sich in den Speichen verfangen, und die High Heels fanden auf dem Trittbrett deutlich besseren Halt als auf einer Fußraste.
Die Finanzierung des Traums
Mein Vater, selbst Kfz-Meister, half mir mit der Finanzierung und dem Unterhalt des Rollers. Denn in meiner Lehre verdiente ich damals gerade mal 40 Mark im Monat. Der Heinkel war gebraucht gekauft, aber das war kein Problem für mich – ich war ein begnadeter Schrauber. Was man selbst macht, darauf kann man sich verlassen, oder man ärgert sich, wenn es nicht perfekt wird.
Am 22. Februar 1962, meinem 18. Geburtstag, stand der Roller endlich angemeldet in der Garage meines Vaters – bereit, auf die Straße zu kommen. Doch der 16. Februar brachte eine Katastrophe: Eine riesige Sturmflut hatte Hamburg heimgesucht. Besonders betroffen war mein Heimatstadtteil Veddel, wo das Wasser bis zum Autodach stand. Und ausgerechnet an diesem Tag wollte ich meine Fahrprüfung ablegen!
Die Fahrprüfung auf dem Heinkel
Der Fahrlehrer erklärte, dass er „vollkommen abgesoffen“ sei und die Prüfung daher nicht stattfinden könne. Doch nicht mit mir! Ich bot dem Prüfer an, dass ich meine Prüfung auf meinem eigenen Heinkel Roller ablegen könne. Der Prüfer stimmte schließlich schmunzelnd zu, und so kam es, dass ich meine Fahrprüfung auf dem Heinkel absolvierte. Natürlich ging mir der Sprit aus, als ich auf dem Weg zur Prüfung war, aber das war letztlich kein großes Problem. Die Prüfung selbst bestand hauptsächlich darin, Kreise und Achten zu fahren und dabei zu bremsen – aus 10 km/h, was mich nicht sonderlich ins Schwitzen brachte.
Die ersten Ausfahrten
Kurz darauf trat ich dem Heinkel-Club Hamburg Wilhelmsburg bei, und es gab die ersten Ausfahrten mit meiner damaligen Freundin Beate. Wir trugen damals die sogenannten „Eierschalen“-Helme, die man aus heutiger Sicht fast schon als Marsmännchen-Accessoires bezeichnen könnte. Sicherheit ging eben vor, und der Helm hat mich noch immer begleitet – genauso wie Beate.
Viele Jahre später stellte sich heraus, dass ich bereits damals zusammen mit Uwe Juulsgaard im selben Club war. Damals war der Club groß, und man war nicht unbedingt mit allen Mitgliedern auf du und du. Aber solche Verbindungen schaffen Erinnerungen, die ein Leben lang halten.

Es kam, wie es kommen musste – Der Heinkel und die Bundeswehr
Es war eine Zeit des Wandels: Die Bundeswehr rief, und ich wurde nach Kellinghusen bei Itzehoe, an der Ostsee, stationiert. Ich hatte es ja schon gut – ich war motorisiert, aber mit der damaligen „Wetterschutz-Kleidung“ war es nicht wirklich ein Vergnügen, die rund 60 Kilometer nach Hause über die Landstraßen zu fahren. Ein Auto musste her!
Mein Vater hatte vollstes Verständnis, aber er war auch klar: Ein Fahrzeug würde er finanziell nur unterstützen, wenn es das einzige war. Und was mein Vater sagte, das meinte er auch so. In meiner jugendlichen Unbesonnenheit entschied ich mich, den Heinkel zu verkaufen. Das war 1964.
Das tragische Ende des Heinkels
Zwei Wochen später kam der Käufer zu mir – schwer eingegipst. Er hatte mir eine traurige Nachricht zu überbringen: Mein Heinkel war nicht mehr. Er war auf nassem Blaubasalt-Kopf ins Rutschen geraten und unter einen Lkw geraten – vorher hatte ihm auch noch jemand die Vorfahrt genommen. Der Heinkel war nicht mehr zu retten. Ein weiteres Kapitel meiner Heinkel-Geschichte war leider zu Ende. Die Ära Heinkel war für mich endgültig abgeschlossen.
Der Heinkel-Heiligenschein und das Heinkel-Fieber
Fast zwanzig Jahre später, in Hamburg-Heimfeld, erblickte ich vor dem Nachbarhaus immer wieder einen Heinkel Roller in metallic Rot. Wie er in der Sonne strahlte – dieser „Heinkel-Heiligenschein“. Es war, als würde der Roller mich anlächeln, und jedes Mal konnte ich das Grinsen nicht unterdrücken.
Ich erzählte meiner Frau und Tochter von meiner Entdeckung. Ich nahm jeden Weg zur Tiefgarage, nur in der Hoffnung, den Heinkel dort wiederzusehen – und vielleicht auch den Besitzer zu treffen.
Meine Frau, Beate, ahnte schon lange, was mit mir los war. Sie kannte mich bereits aus meiner ersten Heinkel-Ära – den „flotten Hirschen“. Ich war wieder infiziert, und das Heinkel-Fieber hatte mich erneut gepackt. Dieses Fieber ist bekanntlich unheilbar, aber es kann durch den Erwerb eines Heinkels ein wenig gelindert werden. Man hört auf, sabbernd vor einem fremden Heinkel zu stehen, und kann endlich selbst aufsteigen und losbrausen.
Die Begegnung mit Uwe Juulsgaard
Eines Tages, natürlich rein zufällig, traf ich den Besitzer des Heinkels aus der Nachbarschaft: Uwe Juulsgaard. Er hatte mir viel zu erzählen über seinen Heinkel, über den Club Deutschland und über die gute Ersatzteilversorgung. Der Heinkel-Club Wilhelmsburg gab es längst nicht mehr, aber der Hamburger Stammtisch traf sich noch immer regelmäßig in der Reetschänke.
Ich hatte den richtigen Mann getroffen, und die Vorzeichen standen nicht schlecht. Meine Tochter, damals 16 Jahre alt, war ebenfalls fasziniert. Wir waren immer ein Team, und so war klar, dass das Heinkel-Fieber auch sie packen würde. Beate, meine Frau, ahnte natürlich, dass sie uns beiden weniger oft sehen würde, sollten wir wirklich ein solches „Monstrum“ finden – aber auch sie konnte uns nicht aufhalten.
Die Suche nach dem Heinkel
Damals gab es noch kein Internet, also wo sollte man einen Heinkel finden? Die Chance, einen Heinkel in gutem Zustand zu finden, war minimal. Doch eines Tages, als ich durch die Tiefgarage bummelte, hörte ich von einem alten Opel-Admiral, der ganz hinten stand. Ich wollte mir den Wagen anschauen.
Der Opel füllte die Garage fast komplett aus, aber neben ihm stand noch etwas anderes unter einer Plane. Etwas, das mich magisch anzog. Ich sah einen alten Reifen und ein Zipfelchen von einem Schutzblech. In diesem Moment war mir klar, was da stand: Ein hilfebedürftiger Heinkel! Der Geruch des Abenteuers lag in der Luft, und ich war fest davon überzeugt, dass ich den richtigen Heinkel gefunden hatte.
Die Geschichte von Fritzchen: Ein Heinkel und ich – Ein Hobby für die Ewigkeit
Es begann ganz harmlos – oder auch nicht. „Der Vater hat wieder einen dieser verrückten Ideen“, dachten sich meine Damen, als ich ihnen von meinem neuesten Projekt erzählte. Ein „das könnte auch was anderes mit zwei Rädern sein“ ließ mich natürlich unbeeindruckt. Ich war bereits infiziert – und wer einmal vom Heinkel-Virus befallen war, wusste: Da gab es kein Zurück.
Alles begann mit einer Anfrage bei der Baugenossenschaft. Die Garage gehörte einem netten Herrn, der wie sich später herausstellte, der Vater eines alten Schulfreundes meiner Tochter war. Der perfekte Gesprächseinstieg! Es dauerte nicht lange, und ich bekam die Bestätigung: Da schlummerte ein Heinkel 103 A2, wenn auch etwas demontiert. Ein Glückstreffer!
Ein Besichtigungstermin wurde vereinbart, und der Preis des Verkäufers lag bei stolzen 1.500 DM. Aber nach dem ersten Blick auf das rostige Gerippe wusste ich: Dafür würde ich nicht einmal einen Finger krumm machen! Mein Vater hatte mir beigebracht, wie man feilscht – und so war ich fest entschlossen, den Preis zu drücken. Nach einigen Gesprächen und einem Hauch von Verhandlungsgeschick wechselte das „Häufchen Blech“ schließlich für 600 DM den Besitzer.
Zuhause angekommen, fragte meine Frau etwas skeptisch, wo denn nun der Heinkel stehen würde. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass dieses rostige Teil jemals zu dem glänzenden Roller werden würde, den ich mir erhoffte. Aber der Kenner wusste es: Das war mein Heinkel – und ich würde ihn wieder auf die Straße bringen!
Unmittelbar nach dem Transport in seine neue Garage, wollte ich ihn starten. Das Geräusch, das der Motor machte – ein leises „But-but-but“ – das hatte ich noch immer in den Ohren. Leider sprang er nicht gleich an, aber ich gab nicht auf. Ein kurzer Schlag auf den Kolben, und dann – „But-but-but-but – waaaaauuuuuu!“. Carola, die bei mir stand, konnte ihren Augen nicht trauen. Es war geschehen, sie hatte sich ebenfalls anstecken lassen.
Mit einer Werkstatt zur Verfügung, begannen Carola und ich, den Heinkel von Grund auf auseinanderzunehmen. Der Club – mittlerweile war ich stolzes Mitglied im Heinkel Club Deutschland mit der Nummer 1893 – war dabei unser wichtiger Partner. Ersatzteile waren schnell bestellt, und das Schrauben ging los. Wir füllten unsere Nachmittage und Abende mit Reparaturen, Austausch und viel Leidenschaft. Manchmal musste Carola an ihre Hausaufgaben erinnert werden, aber das Hobby war stärker. Für uns war das der perfekte Familienbetrieb!
Der Motor wurde schließlich wieder zusammengebaut, und die Frage aller Fragen stand im Raum: Würde der Heinkel überhaupt laufen? Der Moment der Wahrheit kam, als der Motor ansprang und der Heinkel erstmals nach so vielen Jahren wieder brummte. Die Freude war grenzenlos!
Doch damit hörte es nicht auf. Carola und ich machten uns daran, den Heinkel zu restaurieren, den Rahmen zu entrosten und die Karosserie zum Lacker zu bringen. Die Sitzbank erhielt bei einem Sattler eine neue Polsterung. Jede Menge Ersatzteile wurden bestellt, und das gesamte Projekt nahm immer mehr Form an.
Im Sommer 1987 war es dann so weit: „Fritzchen“, wie wir den Heinkel liebevoll tauften, erhielt seinen TÜV und kam mit einem neuen Kennzeichen – HH-KS 75 – auf die Straße. Wir fuhren stolz wie Oskar vom TÜV-Gelände direkt nach Hause, und ich hätte nie gedacht, dass diese Reise mit meinem Heinkel noch so viele Jahre andauern würde.
Schon bald fanden Carola und ich uns auf internationalen Treffen der Heinkel-Freunde wieder. 1990 fuhren wir zu unserem ersten internationalen Treffen in Kassel. Es war aufregend, das erste Mal unter vielen Heinkeln zu sein, und Fritzchen war natürlich der Mittelpunkt der Veranstaltung. Aber nicht nur das Treffen selbst war ein Highlight, sondern auch die Gemeinschaft, die sich in den Gesprächen und Erlebnissen bildete.
Es folgten viele weitere Treffen und Fahrten, darunter die legendäre Fahrt zur Loreley mit Uwe und seiner Frau Margret. Das Treffen dort mit den Heinkel-Freunden und das Feuerwerk „Rhein in Flammen“ war ein unvergessliches Erlebnis. Im Jahr 1991 rief ich dann die Heinkel-Freunde aus Wilhelmsburg zu einem Wiedersehen zusammen – ohne Internet, aber mit viel Herzblut und alten Listen, die ich per Hand erstellte.

Auf dem Foto sind die Teilnehmer des Wiedersehens und natürlich Fritzchen. Auf der Sitzbank sitzt die Frau vom ehemaligen Präses und ich hab sie im Arm.
1992 fand unser Treffen in einem neuen Lokal statt, und natürlich war auch Fritzchen dabei. Auf einem Foto aus dieser Zeit kann man die stolzen Gesichter der Teilnehmer sehen – und auch das glückliche Gesicht von „Fritzchen“, der nun ein fester Bestandteil unseres Lebens war.
Seitdem sind viele Jahre vergangen. Der Heinkel hat uns auf unzählige Abenteuer begleitet und unser Leben auf so viele Weisen bereichert. Fritzchen und ich – wir sind ein eingeschweißtes Team, das sich über die Jahre immer mehr zusammengefunden hat. So viele Kilometer, so viele Erinnerungen, die uns nie mehr genommen werden können. Und heute kann ich mit Stolz sagen: Dieser Heinkel wird immer ein Teil von mir sein.
Von Fritzchen und unvergesslichen Fahrten
Ich bekam von einem Kameraden den alten, handgestickten Tisch-Wimpel ehrenhalber geschenkt und Carola, die mich ja tatkräftig unterstützt hatte, bekam von Frau „Odin“ die HCD-Ehrennadel in Bronze, die ihr Mann damals vom HCD für die Leitung des Wilhelmsburger Clubs bekommen hatte. Wir waren beide gerührt.
Fritzchen wurde mein täglicher Begleiter. Auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen – Fritzchen war die Universalwaffe in Sachen Parkplatznot in einer Großstadt. Dazu der Handtaschenhaken, das breite Trittbrett, wo auch immer noch eine Tasche draufpasste, und der große Gepäckträger. Allerdings war es lästig, eine Bierkiste verkehrssicher zu verstauen. Das nahm Stephan Tödt, seinerzeit Lebensgefährte von Carola, zum Anlass, mir ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art zu machen. Ich bekam eine Maßanfertigung von einer Transportkiste aus Aluminium, schön ausgepolstert und mit einem aufgenieteten Rand auf dem Deckel, auf den passgenau eine 30er Kiste ASTRA einrasten konnte – Spanngut drüber – fertig. Selbst für die Gurte gab es Ösen und das Ganze passte exakt auf den hinteren Gepäckträger. Ich hab das Teil heute noch und konnte später sogar feststellen, dass sie sogar prima isoliert ist.
Es kam das Jahr 1993, der HCD wurde zehn Jahre alt und dies sollte mit der „Alpenfahrt – 40 Pässe in 10 Tagen“ begangen werden. Da waren Fritzchen und ich natürlich dabei. Es entpuppte sich als Härtetest für Mensch und Maschine. Der eine oder andere Rutscher in den Haarnadelkurven ließ sich leider nicht vermeiden, und auch ein Sturz war dabei, der zum Glück glimpflich abging. Andere hatten da schon mit kapitableren Schäden oder gerissenen Bremszügen zu kämpfen oder auch mit einem gebrochenen Fuß, der unter das Trittbrett geraten war. Ich hatte Fritzchen natürlich vorher einer Generalinspektion unterzogen und das zahlte sich neben einer ruhigen und besonnenen Fahrweise jetzt durchaus aus. Wenn ich zwischendurch sah, wie der eine oder andere seinen motorisierten Partner quälte, wunderte mich manchmal nur, dass die Ausfälle nicht größer waren.
Als wir zur Halbzeit in Bozen für zwei Tage vor Anker gingen, gab es tatsächlich Leute, die nichts Besseres zu tun hatten, als erstmal ihren Roller zu waschen. Ja, wenn’s schön macht?! Wir nutzten die Tage, um noch ein paar Kilometer zu sammeln, das Wetter war einfach zu herrlich, nur die italienische Fahrweise war etwas gewöhnungsbedürftig. Als wir nach zehn Tagen in Kempten, der Ausgangsbasis, wieder eintrafen, waren wir alle ziemlich geschafft, aber zufrieden. Wir luden die Roller wieder auf die Hänger, denn von hier noch nach Hamburg auf eigener Achse zu juckeln, soweit reichte mein Ehrgeiz nun wirklich nicht mehr. Ich glaube, Fritzchen war es auch lieber so.
Carola fuhr mit Stephan auf dem Heinkel jedes Jahr nach Norwegen in den Urlaub und erzählten tolle Erlebnisse. Mich juckte das ja irgendwie auch in den Reifen, aber ich hatte ja weder brauchbare Ausrüstung noch wollte ich alleine fahren? Da hatte ich mal die Rechnung ohne meine Familie gemacht. Sie legten zu Geburtstagen und Weihnachten zusammen und nach und nach war ich bestens ausgerüstet, die Ausrede zählte also nicht mehr. Fritzchen bekam Seitenkästen einer Harley verpasst für Werkzeug und Ersatzteile. Im Juli 1997 gingen wir, zusammen mit Klaus Groth auf einem Aprilia Roller, auf große Fahrt durch Süd-Norwegen.





„Der Vergaser muckt – schau’n wir doch mal nach“ – kleines Besteck raus und los. Es war ein schönes Gefühl, einfach nur hinterher fahren zu müssen, weil die beiden vorne den Weg kannten. Zum einen brauchte ich meine Augen für die Schotterstraßen oder die doch recht abenteuerlichen Tunnel, und zum anderen genoss ich natürlich die Landschaft.
Wir machten Pausen, wo es gerade nett war, badeten in Bächen und Seen, es war warm und einfach nur schön. Erst am allerletzten Tag suchte uns das oftmals beschriebene norwegische Regenwetter heim. Mit Sicherheit weinte der Himmel, weil wir nach Hause fuhren. Aber wenigstens wusste ich jetzt auch, dass die Kleidung wirklich wasserdicht war.
Eine Roller-Reise, die unvergessen bleibt
Das war eine Roller-Reise, die ich bestimmt nicht mehr vergessen werde. Es ist schon etwas ganz Besonderes, in einer so kleinen Gruppe durch ein so tolles Land zu fahren.
Kein Jahrestreffen, kein Anheinkeln, Loreley oder Abheinkeln wurde ausgelassen. Der höchste Feiertag im Heinkeljahr? Na klar, das internationale Treffen zu Pfingsten. Wir waren schon auf so vielen Treffen gewesen, bekannt wie ein bunter Hund, und immer öfter wurden wir gefragt, wann denn die Hamburger endlich mal ein Treffen ausrichten würden.
Naja, mit unserer Handvoll Leute? Und Hamburg ist eben nicht Kleinkleckersdorf. Wir würden hier weder die Freiwillige Feuerwehr noch den Landfrauenverein aktivieren können und vor allem – WO? Also setzte ich mich mit meinem Heinkelfreund Heiko Ungethüm (mit TH!) zusammen, der in Kaltenkirchen wohnte. Kaltenkirchen ist ein Vorort von Hamburg, ländlich angehaucht, aber schon ein wenig verstädtert.
Wir wussten, dass wir es stemmen wollten. Nun mussten wir das noch unseren Frauen beibringen und die anderen Stammtischkollegen ebenfalls überzeugen. Nach dem einen oder anderen „Macht ihr nur, aber ohne mich“ blieben wir standhaft. Wir überlegten, wie wir das, was wir mit der eigenen Mannschaft nicht stemmen konnten, zu einem akzeptablen Preis fremd vergeben könnten. Ein Novum in der Organisation von Heinkeltreffen, aber manchmal muss man eben neue Wege gehen.
Wir mussten einen Verein gründen, für den wir auch noch die Gemeinnützigkeit zuerkannt bekommen mussten. Das hatte nicht einmal der HCD geschafft, aber wenn ich eins gut kann, dann ist es sabbeln. Also ging ich zum Klinkenputzen in die Ämter, und natürlich war Fritzchen immer dabei. Spätestens als der zuständige Beamte mein Schätzchen live sah, bekamen wir die Gemeinnützigkeit.
Nun hatten wir auch den Festplatz in Kaltenkirchen zu einem sehr annehmbaren Preis zur Miete. Heiko hatte sich mit dem DRK kurzgeschlossen, die würden die Verpflegung übernehmen – ebenfalls zu einem guten Kurs. Alles andere war jetzt ein Spaziergang, wie die Hafenrundfahrt und die restlichen Programmpunkte. Nach und nach konnte sich der eine oder andere doch damit anfreunden, eine Aufgabe zu übernehmen.
Nach drei Jahren intensiver, aber sorgfältiger Planung war es dann 2003 so weit. Sogar der Norddeutsche Rundfunk kam mit einem Fernsehteam, und eine schwedische Jazzband hatte sich mit sechs Kabinen und einem Roller aus Göteborg aufgemacht und spielte immer, wenn sie nicht gerade schliefen. Der Wettergott ließ die Sonne scheinen, als wäre es bestellt.
Heiko und ich am Morgen danach
Es klappte wirklich alles wie am Schnürchen. Das DRK zauberte uns Mahlzeiten, wie ich sie noch auf keinem Treffen bekommen hatte, sogar mit Nachtisch. Zum Frühstück gab es Rührei, und die Getränkewagen wurden wirklich erst dicht gemacht, als der letzte gegangen war. Selbst auf der Ausfahrt zum Hafen war keines der Heinkel-Schäfchen verloren gegangen. Das Wetter war einfach nicht zu bremsen.

Am Morgen danach waren wir alle stehend k.o., aber glücklich und zufrieden. Wir wussten wohl schon damals: So schnell würden wir uns das nicht wieder antun – Glücksgefühle hin oder her. Und auch unsere Frauen hofften, demnächst mal wieder ein paar Worte mit uns sprechen zu können, in denen das Wort Heinkel nicht vorkommen würde.
Wir hatten neue Maßstäbe in Sachen Teilnehmerzahlen gesetzt, und das, obwohl das Treffen so weit im Norden stattgefunden hatte. Der Besuch der schwedischen Freunde, so viele Roller, Kabinen und Teilnehmer – mit so vielen Anmeldungen hatten wir nicht gerechnet. Aber wir waren gewappnet, und das DRK war flexibel – für die war das eine leichte Übung. Mit Bordmitteln wären wir untergegangen wie nichts. Statt der geplanten Barkassen mussten wir sogar einen Mississippi-Raddampfer buchen, aber es gelang einfach alles. Vielleicht fährt der liebe Gott ja auch ab und zu mal Heinkel 😉
Nach und nach kamen immer neue Stammtischmitglieder dazu, und meistens führte das dazu, dass ihre Neuerwerbung irgendwann auf meine Hebebühne kam. Der kleine oder größere Check mit Erklärungen für den Schrauber-Frischling stand an. Es macht mir immer noch sehr viel Spaß, an Heinkeln zu schrauben, Heinkelleiden zu lindern und zur Genesung des einen oder anderen Kameraden beizutragen – denen auf zwei Reifen. Meine persönliche Leidenschaft gehört dabei den Lichtmaschinen und den Vergasern.
Carolas Roller wurde nach gut zehnjähriger Komplett-Sanierung auch wieder auf die Straße geschickt, aber mein Töchterchen traut sich nicht so ganz, das liebenswerte Monstrum zu beherrschen. Sie tut sich auch mit dem Ziehen der Kupplung schwer, eine Fußschaltung hatte sie natürlich gleich eingebaut. So bin ich dann zu meinem „Pflege-Roller“ „blauer Klaus“ gekommen. Viel pflegen muss ich da zwar nicht, weil der Motor einfach so gut läuft und nur regelmäßig von mir mit Sprühöl vor Korrosion geschützt wird. Wenn ich mal Roller „light“ fahren will, dann nehme ich Klaus, da er keine Kästen und Kisten hat. Da der Motor läuft wie die Feuerwehr, probiere ich an ihm immer die überholten Vergaser aus oder wenn ein neuer muckt und neu eingestellt werden muss. Und Fritzchen muss auch nicht mehr alleine in der Garage stehen – die beiden können sich jetzt Ewigkeiten Geschichten von damals erzählen und Benzin quasseln, bis der Kolben raucht.
So plätschern die Jahre dahin. Jedes Jahr stehen mindestens zwei bis drei Treffen auf dem Kalender, meist mit Carola, ab und zu auch mit Beate, immer mit Fritzchen. Die Hamburger Heinkelfreunde veranstalten auch immer noch die eine oder andere Ausfahrt. Der eine oder andere Oldtimermarkt oder –treffen im Umland lädt ein, mit einem Stand vertreten zu sein oder gemeinsam hinzufahren und zu butschern.
Ich wünsche mir noch viele gemeinsame Jahre, mit meinem Fritzchen durch die Lande zu rollern und anderen Heinkelfreunden bei der Wiederbelebung ihres Rollers zu helfen, so lange mich der liebe Gott eben lässt.
Euer Heinkel Klausi aus Hamburg

Wohin rollt die Reise als Nächstes?
Und Klaus, was hast du noch so vor? Nach all den großartigen Erlebnissen mit deinem Fritzchen bleibt natürlich die Frage: Wohin rollt die Reise als Nächstes?
Wir haben da schon eine Ahnung – das geplante Heinkeltreffen in der Heide! Unter dem Motto „Die Heide ruft Dich“ lädt das erste Heinkeltreffen in der Ostheide vom 12. bis 14. September 2025 ein. Wir sind gespannt, was du uns dazu noch erzählen wirst!
Lieber Klaus, vielen Dank für diesen wunderbaren Reisebericht voller Erinnerungen, Erlebnisse und echter Heinkel-Leidenschaft. Wir freuen uns auf viele weitere Geschichten – und natürlich auf das nächste große Treffen! 🚀🏍️





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